M-Statistik
 

Es gibt keine(n) Wolpertinger mehr!
Eine statistische Untersuchung der Münchner Familiennamen

Mit dem folgenden Artikel möchten wir auf die enorme Nachfrage von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Presse zum Thema "Entwicklung der Münchner Familiennamen" reagieren. Erfreulicherweise sind die hierfür benötigten Auswertungen praktisch ein automatisches "Nebenprodukt" unserer monatlichen Analysen der Bevölkerungsdaten, so dass wir Ihnen trotz der starken Auslastung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diesen interessanten Überblick bieten können. Wir möchten uns bei Ihnen für die vielen Nachfragen zu unserem Informationsangebot bedanken und werden auch weiterhin versuchen, Ihre Anregungen aufzunehmen.

Diese Behauptung der Münchner Statistiker wird bei dem Teil der Leser, der sich in bayerischen Wirtshäusern auskennt - zu Recht - auf scharfen Protest stoßen. Oft genug äugt das Fabeltier von den Wänden, spukt durch späte Stammtischgespräche, vor allem wenn Feriengäste aus dem Norden anwesend sind, und wird als Souvenir von diesen hochgeschätzt.

Mit unserem medienwirksamen Aufmacher meinen wir natürlich nicht den gehörnten Hasen mit den gefährlichen Reißzähnen. Es geht vielmehr um den Bestand des Familiennamens in unserer Stadt, den 1991 noch vier Personen trugen und der heute nicht mehr existiert. Der Art, der Anzahl, sowie dem Kommen und Gehen der in München vorkommenden Familiennamen gilt also das Interesse und die Statistik versteht sich hier als Hilfsdisziplin, die sich unter anderem aus kulturhistorischen und siedlungsgeographischen Aspekten dem Thema zuwendet. Bei einschlägigen Anfragen wird aber auch verbreitetes persönliches Interesse nach der eigenen Namensgeschichte deutlich, zu der nicht nur Entstehung und Bedeutung sondern auch zahlenmäßige Entwicklung und räumliche Verteilung gehören. Ein großer Teil der fast 3 000 Treffer (7.5.2002), die der Begriff "Familiennamen" bei einer profilierten Suchmaschine des Internets erbrachte, geht in diese Richtung.

Kaum ein persönliches Merkmal hat in entwickelten Gesellschaften wie der hiesigen größere Bedeutung im Rahmen des Gemeinwesens als der Familiennamen. Auch ist es heute kaum noch vorstellbar dass die wechselseitigen Ansprüche von Bürgern und Staat ohne dieses Unterscheidungsmerkmal erfüllt werden könnten. Die verbindliche Festlegung nicht nur der Schreibweise sondern auch jeglicher Änderung des Familiennamens durch eine spezielle Gesetzgebung ist die logische Voraussetzung. Doch hierfür war ein jahrhundertlanger Prozess notwendig, der mit der Fixierung des Standesamtswesens im 19. Jahrhundert seinen (vorläufigen) Abschluss fand.

Der Vorname war Jahrtausende lang das Unterscheidungsmerkmal für Männer und Frauen. Familiennamen entstanden in den verschiedenen Kulturkreisen zu unterschiedlichen Zeiten. In Europa wurden sie z. B.

in Italien ~ im 8. / 9. Jahrhundert;
in England ~ im 10. Jahrhundert;
in Deutschland ~ im 12. Jahrhundert

eingeführt . Nachzügler gibt es auch hier, denn in der Türkei wurde erst 1934 verbindlich festgelegt, dass jedem Vornamen ein Familienname hinzugefügt werden muss. Vorher wurden Familiennamen nur von solchen Personen mit hohem sozialen Status (z. B. Adel) verwendet, die die Notwendigkeit sahen, sich durch einen zusätzlichen Namen (Familiennamen), von denen zu unterscheiden, die den gleichen Vornamen hatten. Mit der Konzentration der Bevölkerung vor allem in Städten und Dörfern wurden Familiennamen notwendig. Nach ihrem Ursprung unterscheidet man vier Hauptgruppen von Familiennamen:

Familiennamen, die abgeleitet wurden vom Wohnsitz/Herkunft des ersten Trägers (Bayer, Basler, Welsch, Mooser, Rieder);
Familiennamen, die abgeleitet wurden vom (Vor)Namen der Väter, seltener Mütter (Sohn des Nikolaus, Matthäus, Andreas);
Familiennamen, die abgeleitet wurden vom Beruf des ersten Trägers;
Familiennamen, die von körperlichen oder persönlichen Merkmalen des ersten Trägers abgeleitet wurden (Klein, Schwarz, Lange, Fuchs, Weiß").

Auch bei dieser Differenzierung - Fachleute schätzten die Anzahl der Familiennamen deutscher Herkunft auf mehr als eine halbe Million - leuchtet ein, dass weder Vor- noch Familiennamen noch ihre Kombination zur eindeutigen Bestimmung einer Person ausreichen. Bevölkerungszuwachs, Verstädterung, sowie enormer Anstieg der Mobilität innerhalb des Sprachgebiets haben dazu geführt, dass immer mehr namensgleiche Menschen relativ eng nebeneinander wohnen. Die Einführung weiterer persönlicher (Geburtsdatum, Adresse) und körperlicher (Augenfarbe, Fingerabdruck usw.) Merkmale wurde erforderlich um das Chaos zahlreicher Verwechslungen zu vermeiden. Dabei stehen wir im Vergleich zu anderen Staaten noch verhältnismäßig gut da. So soll es in Italien etwa 130 000 und in USA 1,5 Millionen Familiennamen geben. China schließlich steht mit nur 3 600 Zunamen zu Buche, 8 Millionen Chinesen heißen Li !

Wie entwickelt sich die Zahl der Familiennamen in Verbindung mit der Einwohnerzahl Münchens ?

Jahr Familiennamen absolut wohnberechtigte Bevölkerung
1991 189.082 1.339.752
2000 214.285 1.380.382
2001 221.280 1.387.455
2002 227.038 1.404.158

Als Ziel langjähriger nationaler und internationaler Zuwanderung zählt München beachtliche 227 038 Nachnamen, und es werden täglich mehr. Allein im vergangenen Jahr (2001) hat sich ihr Bestand um 5 758 erhöht. Gleichzeitig ist jedoch die Anzahl der ausgewerteten Personen entsprechend angewachsen, sodass sich die Quote Namen/Einwohner nicht wesentlich verändert hat. Auf 1 000 Münchner treffen derzeit 162 Familiennamen. Im längerjährigen Vergleich hat allerdings nicht nur die absolute Zahl sondern auch die relative Vielfalt im Pool der Hauptnamen zugenommen. So existierten 1991 noch fast 38 000 Familiennamen weniger als ein gutes Jahrzehnt später und für die Benennung von 1 000 Münchner - vom Säugling bis zum Greis - reichten 141.

Hier ist nun die Auswertung der Melderegister der Jahre 1991 und 2001 mit den häufigsten Münchner Familiennamen. Neben der aktuellen Reihung werden die Summen der beiden Jahre sowie der Anteil der jeweiligen, wohnberechtigten Bevölkerung angeführt. Selbstverständlich sind verschiedene Schreibweisen ein und desselben Namenstamms wiedergegeben, da diesen in ihrem Ursprung, sowie in ihrer Verbreitung häufig regionale Bedeutung zukommt.

Die TOP 200 der Münchner Familiennamen in den Jahren 1991 und 2002 (auch als .xls und .pdf)

Unangefochten steht der Name Müller mit einem Vorkommen von 8 228 auf Rang 1 und das nicht nur in München. Der wie viele andere aus dem mittelhochdeutschen entwickelte Berufsname ist auch im gesamten Deutschland, und zwar mit großem Abstand der häufigste Familienname. Seine und seiner Varianten (Müllner, Möller, Miller u.a.) Verbreitung hängt damit zusammen, dass sich ab dem 12. Jahrhundert nahezu in jedem Ort eine oder mehrere (wassergetriebene) Mühlen befanden. Keineswegs darf man sich jedoch die Namensgeber sämtlich in dem berufsüblichen, mehlbestäubten, weißen Kittel des traditionellen Getreidemüllers vorstellen. Sehr häufig waren damals auch Öl-, Holz-, Walk- (für die Tuchherstellung) und Lohmühlen (für die Gerberei). Unter den zehn ersten Nachnamen, die zusammen 47 388 mal vorkommen gibt es keinen der nicht eindeutig einem Berufsstand zuzuordnen wäre. Auch ihre relative Konzentration ist bemerkenswert. 34 von 1 000 Münchnern heißen Müller, Huber, Schmidt, Fischer, Bauer, Schneider, Wagner, Schmid, Weber oder Maier. Kulturhistoriker sehen hierin eine Bestätigung für die starke Entfaltung und Differenzierung der Handwerksberufe, die Vielfalt der amtlichen Tätigkeiten und die herrschende Gesellschaftsordnung mit den entsprechenden Rechts- und Besitzverhältnissen des Mittelalters.

Die Arbeits- und Flüchtlingsmigration der letzten Jahre spiegelt sich in zunehmender Häufigkeit von Nachnamen aus dem nichtdeutschen und nichteuropäischen Sprachraum. Auch die geringere Differenzierung bei den Familiennamen anderer Länder ist freilich dafür ausschlaggebend, dass z. B. Nguyen (Rang 35.), Yilmaz (58.) und Yildirim (83.) in den Top 100 der Münchner Hauptnamen des Jahres 2002 aufscheinen. Yilmaz ("der sich nicht fürchtet") ist nicht nur in München sondern in der gesamten BRD der häufigste türkische Familienname.

Nguyen aus Vietnam, der auf einen Gott oder mythischen Helden zurückgeht, liegt übrigens mit den Vornamen Thi (362) und Van (133) an der Spitze der häufigsten Kombinationen von Vor- und Familiennamen gefolgt von Müller Maria (120), Huber Maria (117) und Müller Thomas gleichauf mit der ebenfalls vietnamesischen Kombination Tran Thi (115).

Schaut man auf 1991, das Ausgangsjahr dieser Untersuchung zurück sind typische südbayerische Kombinationen wie Maria Huber, Maria Müller, Maria Bauer, Anna Müller und Anna Huber, um nur die fünf seinerzeitigen Spitzenreiter, mit zusammen 886 Fällen zu nennen, noch stark verbreitet .Viele mögen in den vergangenen elf Jahren weggezogen sein, etliche einen anderen Familiennamen angenommen haben, die meisten jedoch sind verstorben. Dies lässt sich aus dem starken Rückgang der entsprechenden Vornamen bei betagten und hochbetagten Münchnern schließen. So kommen die genannten Namenskombinationen im Jahr 2002 nur noch 529 mal vor. Andere Vornamen kamen in Mode, sodass heute die Müllers, Hubers, Meiers, Schmidts und Fischers mit den Rufnamen Thomas, Andreas, Michael und Christian aufgeholt haben. Vergleichbares gilt für Claudia, Christine, Petra, Andrea und Renate.

Regionale Spezialitäten, gibt es die ?

Ja, und zum Nachweis werden den 50 häufigsten bundesdeutschen (Auswertung von Telefonbüchern), die entsprechenden Münchner Familiennamen gegenübergestellt. Die berechneten Rangdifferenzen ergeben folgendes Bild. Von den Spitzenreitern in Deutschland liegen Müller (1.) und Fischer (4.) in München gleichauf, Schmidt (BRD 2., LHM 3.) und Schneider (BRD 3., LHM 6.) leicht zurück.

Die fünfzig häufigsten bundesdeutschen Familiennamen und ihre Rangdifferenz zu den entsprechenden Münchner Familiennamen

Name BRD LHM Differenz   Name BRD LHM Differenz
MÜLLER 1 1 -     HARTMANN 26 29 -3  
SCHMIDT 2 3 -1     HOFMANN 27 18   +9
SCHNEIDER 3 6 -3     KRAUSE 28 64 -36  
FISCHER 4 4 -     WERNER 29 30 -1  
MEYER 5 17 -12     MEIER 30 22   +8
WEBER 6 9 -3     SCHMID 31 8   +23
SCHULZ 7 28 -21     SCHULZE 32 122 -90  
WAGNER 8 7   +1   LEHMANN 33 65 -32  
BECKER 9 34 -25     KÖHLER 34 59 -25  
HOFFMANN 10 12 -2     MAIER 35 10   +25
SCHÄFER 11 36 -25     HERRMANN 36 45 -9  
KOCH 12 23 -11     KÖNIG 37 37 -  
BAUER 13 5   +8   MAYER 38 11   +27
SCHRÖDER 14 68 -54     WALTER 39 47 -8  
KLEIN 15 26 -11     PETERS 40 403 -363  
RICHTER 16 15   +1   MÖLLER 41 142 -101  
WOLF 17 13   +4   HUBER 42 2   +40
NEUMANN 18 40 -22     KAISER 43 39   +4
SCHWARZ 19 16   +3   FUCHS 44 19   +25
SCHMITZ 20 152 -132     SCHOLZ 45 63 -18  
KRÜGER 21 87 -66     WEIß 46 21   +25
BRAUN 22 20   +2   LANG 47 14   +33
ZIMMERMANN 23 33 -10     JUNG 48 112 -64  
SCHMITT 24 51 -27     HAHN 49 79 -30  
LANGE 25 69 -44     KELLER 50 61 -11  

Zwölf Plätze hinter dem bundesweit Fünften Meyer - man beachte die Schreibweise - steht der Münchner Name der gleichen "Familie". Während man den "Standesnamen", der soviel bedeutet wie der Größere, Angesehenere, Höherstehende, im Norden und in der Mitte Deutschlands überwiegend mit ey geschrieben kennt, ist er im Süden mit ay und ei häufig. Würde man übrigens die fünf vertretenen Schreibweisen zusammenfassen käme der Name, dessen Ahnherr als Oberbauer, die Aufsicht über die Bewirtschaftung der Güter führte und die niedere Gerichtsbarkeit ausübte, in München mit einer Fallzahl von 10 808 auf den ersten Rang (auch bei Zusammenfassung anderer gleichlautender Namen) vor den Schmi(ed)(d)(tt)(dt)`s mit 10 650 Nennungen. Weber, der sechstplaziert im Bund ist, liegt in München drei Ränge zurück.
Siebter in Gesamtdeutschland ist Schulz, der in der bayerischen Landeshauptstadt mit einem Abstand von 21 Rängen vergleichsweise ebenso bescheiden Auftritt wie Becker, der in München sogar 25 Ränge hinter dem Neunten des vereinten Deutschland auftritt. Obwohl unterschiedliche Quellen (hier Telefonbücher mit unterrepräsentierten ausländischen Anteilen bei den Anschlüssen, dort das städtische Melderegister mit dem kompletten Einwohnerbestand) eine strenge Vergleichbarkeit ausschließen, kann man regionale Spezialitäten feststellen. So ist Schulz vor allem im Norden (z. B. Hamburg) und nach Osten (z. B. Berlin) der Republik stark, vor allem in dieser Schreibweise die - aus dem mittelhochdeutsch stammend - ursprünglich denjenigen meinte, der den Beruf des Richters und Schultheiß ausübte. Auch Becker - neunter Platz in der BRD - finden wir im Norden und Westen Deutschlands deutlich öfter als in München, wo er erst auf Rang 34 auftaucht. Tatsächlich wurde der entsprechende Beruf im schwäbisch bayerischen Raum traditionell eher mit Beck bezeichnet. Hoffmann zeigt keine besonderen Abweichungen. In München liegt er nur zwei Ränge hinter dem Zehnten der Republik. Da schon der Rat der mittelalterlichen Münchner Stadt eigene Schäfer anstellte und es wohl auch im näheren und weiteren Umland zu jener Zeit genügend Aufgaben für Schäfer und Hirten gab, überrascht uns der mit 25 Plätzen doch recht deutliche Abstand dieses alten Familiennamens im Vergleich zur bundesdeutschen Reihung, wo er an Nummer 11 steht. Auch Koch liegt in der bayerischen Metropole vergleichsweise zurück. Im gesamten Deutschland an zwölfter kommt er München erst an die 23. Position. Der erste, in München relevant über dem bundesdeutschen Level (+ 8) gelegene Familienname ist Bauer, der in der BRD 13. häufigste.

Sehr typisch für die großräumig unterschiedliche Entwicklung von Familien/Berufsnamen ist das Beispiel Schröder. Zugrunde liegt dasselbe Handwerk nämlich das des Schneiders. Dieser ist jedoch nur in der Mitte und im Süden Deutschlands namengebend, während die Schreibweise Schröder jenseits einer gedachten Linie Münster Berlin überwiegt. Diese Tatsache bestätigt auch unser Fallbeispiel, denn in der Reihenfolge der Münchner Familiennamen nimmt Schröder erst den 68. Rang ein, während die Auswertung der Telefonbücher Deutschlands ihn auf dem elften Platz führt.

Als 15. Deutschlands sei schließlich Klein erwähnt, der in der Voralpen - Metropole mit elf Rängen Abstand auf Platz 26 liegt. Von den 15 Spitzenreitern der Telefonbuchauswertung sind demnach 11 in München zum Teil deutlich unterrepräsentiert, zwei liegen gleichauf und nur zwei stehen in München etwas besser da. Auch der nachfolgende Abschnitt der Deutschen Hitliste bietet mehr Beispiele für Unterschiede als für Gemeinsamkeiten mit den Münchner Top-Namen. Erwähnt seien Neumann der in der zusammenfassenden Auszählung Achtzehnter ist, in München dagegen erst auf Platz 40 erscheint und natürlich Schmitz, der Zwanzigste im Telefonbuch der Republik, der in München nur Position 152 belegt.
Trotz der in München ungewöhnlichen Schreibweise, die für das Rheinland typisch ist, ist eindeutig der metallverarbeitende Beruf namensgebend dessen Unverzichtbarkeit im Mittelalter hinter der starken Verbreitung des Namens steht. Auch Krüger, 66 Plätze hinter der deutschlandweiten Telefonbuchauszählung und Lange (-44) sind in der südlichsten Millionenstadt der Republik viel seltener. Ob schon die "langen Kerls" des Mittelalters eher in den nördlichen Gefilden beheimatet waren? Nein, denn die hierzulande häufigere Schreibweise ohne "e" nimmt in der bayerischen Metropole Platz 14 ein und ist republikweit 47.! Mit Ausnahme der Top-Namen Müller, Schmidt, Schneider, Fischer und Weber, die sowohl in München als auch darüber hinaus die Rangfolge anführen, hatten wir bisher weit überwiegend mit Familiennamen zu tun deren hiesige Häufigkeit mehr oder weniger unterdurchschnittlich ist. Es spricht für typische regionale Schwerpunkte, dass umgekehrt auch eine ganze Reihe von in München ranglistenmäßig gut platzierten Nachnamen im bundesrepublikanischen "Ranking" zurückbleiben.
Das sind einmal die südlich geschriebenen Meier, Maier, Mayer, die um acht beziehungsweise 25 und 27 Ränge vorne stehen aber auch Schmid, der Achte in München, der im Bund erst auf Platz 31 liegt. Ein ausschließlich im Süden häufiger Name ist jedoch Huber, mit einem Vorkommen von fast 5 200 der Zweite in München (in Rosenheim, Landshut und Ingolstadt sogar Spitzenreiter), der deutschlandweit an 40. Stelle rangiert. Fachleute wissen, dass es sich überwiegend um einen Standesnamen handelt, der früher den Inhaber einer Hube, eines halben oder auch ganzen Bauernhofs bezeichnete. Mit Fuchs und Weiß sind noch zwei weitere Namen erwähnenswert, die in der bayerischen Landeshauptstadt mit jeweils +25 Rängen einen beachtlichen Vorteil gegenüber der deutschen Vergleichszählung erreichen. Fuchs, der erste Namensträger könnte rothaarig oder besonders schlau gewesen sein, ist Neunzehnter in München, Weiß (auf Haut oder ebenfalls Haarfarbe zurückzuführen) liegt an 21. Stelle.

Die größten Aufsteiger der Münchner Familiennamen nach Häufigkeit 1991 - 2002 (auch als .xls und .pdf)

Nun zu den Verschiebungen bei der Häufigkeitsverteilung der Familiennamen. Mit großem Abstand an der Spitze der Münchner Namen, die Zuwachs erhalten haben, liegt der vietnamesische Nguyen. Er hat zwischen 1991 und 2002 um 840 Träger zugelegt und erreicht damit den 2,5 fachen Bestand des Ausgangsjahres. Mit Tran und Le kommen zwei weitere Familiennamen dieses Sprachraums unter die ersten zehn "Aufsteiger". Drei weitere dieser Gruppe sind türkischen Ursprungs. Yilmaz hat um 291,Yildirim um 175 und Demir um 172 zugenommen.

Der erste deutschstämmige in dieser Reihenfolge ist Krüger, der um 109 Zähler zunimmt, Lange (+102), Schumacher (+ 91) und Franke (+ 88) folgen mit Abständen. Diese wenigen Beispiele zeigen, auf andere, wie z. B. Schulze und Richter wurde schon hingewiesen, dass es auch durch Zuzug aus anderen, vor allem neuen und/oder nördlichen Bundesländern zu Verschiebungen in der Münchner Namenslandschaft kam.

Die größten Absteiger der Münchner Familiennamen nach Häufigkeit 1991 - 2002 (auch als .xls und .pdf)

In den vergangenen elf Jahren haben bei in etwa identischer Bevölkerungszahl vor allem die häufigsten Familiennamen nennenswert eingebüßt. So zählen Huber (-840), Schmid (- 685) und Wagner (- 520) ebenso zu den Top Ten der aktuellen Auszählung wie Bauer (-507), Maier (- 501) und Müller, dessen Bestand um 345 zurückging. Rückläufig sind die Zahlen aber auch bei einer Reihe alter einheimischer Namen (Angermeier ist im12. Jahrhundert in München erstmals urkundlich erwähnt), deren Basis bereits sehr schmal ist. Hierzu gehören Harlander, Strunz und Fottner, Kastl, Heimerl und Zitzelsberger aber auch Ritzinger, Dirrigl (Türriegl, geht ev. auf einen Pförtner zurück) Dirscherl (kommt aus dem mittelhochdeutschen türs, Riese), Zirngibl und Zacherl.

Und hier noch eine Mini-Auswahl von Familiennamen die 1991 in geringer Zahl existierten, elf Jahre später jedoch nicht mehr im Münchner Einwohnerregister enthalten waren: Starzinger, Feierle, Wasserlechner, Berlauer, Dierlmeier, Eschinger, Döberlein, Bangerl, Mitterling, Taubinger, Kitzlinger, Adelfinger, Haeberl, Gruenzinger, Koeberle, Ingerling, Oberleithner, Pfifferling, Pöllinger, Stacherl, Krautinger, Unterlauf. Die Aufzählung ließe sich mühelos fortsetzen, denn es sind Hunderte, die das Spektrum verlassen haben und... durch andere ersetzt wurden.

Einer davon - Wolpertinger - wurde ja eingangs bereits erwähnt und wir wollen es nicht versäumen die Deutung dieses prächtigen Familiennamens nachzutragen. Er stammt vermutlich aus jüngeren Formen des alten deutschen Rufnamens Waldebert und zwar durch "Verdumpfung" nach "patronymischer Bildung", wie es der Fachmann formuliert.

Literatur: Kohlheim, Rosa u. Volker; Duden, Familiennamen, Dudenverlag; Kunze, Konrad, dtv-Atlas, Namenkunde.

 

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