M-Statistik
 

Zur aktuellen Altersverteilung der Münchner Bevölkerung - oder wie lese ich eine Bevölkerungspyramide

Obwohl sich die Altersverteilung der Bevölkerung von Jahr zu Jahr nur geringfügig ändert, so dass Trends erst über einen längeren Zeitraum sichtbar werden, manifestieren sich im Altersaufbau einer Bevölkerung die vergangenen und gegenwärtigen Entwicklungen im Geburten- und Wanderungsverhalten sowie in der Sterblichkeit. Mit Hilfe der sogenannten Bevölkerungspyramide, die allerdings mehr das Bild einer zerzausten Wettertanne wiedergibt (siehe nebenstehende Grafik), lässt sicht der demografische Hintergrund der Alterszusammensetzung der Bevölkerung (zu einem bestimmten Stichtag) in Form einer Momentaufnahme am besten beschreiben. Die nachfolgenden Ausführungen zur Altersverteilung der Münchner Bevölkerung am 1. Januar .2001 geben dafür ein Beispiel.

Zu den typischen Charakteristiken im Altersaufbau der deutschen Bevölkerung, welche an der Bevölkerungspyramide sichtbar werden, gehören die Einflüsse der beiden Weltkriege, der Wirtschaftskrise um das Jahr 1932, der Aufschwungphase nach dem 2. Weltkrieg und des Geburten- und Heiratsrückganges der 70er Jahre, die Einschnitte und Ausbuchtungen in der Altersstruktur der Bevölkerung hinterlassen haben.

Dazu gehören:

  • Der Geburtenausfall im 1. Weltkrieg,
  • der Geburtenausfall während der Weltwirtschaftskrise um das Jahr 1932,
  • Opfer und Gefallene des 2. Weltkrieges,
  • der Babyboom bis Mitte der 60er Jahre,
  • der Geburtenrückgang Ende der 60er bis Ende der 70er Jahre und das seit über 20 Jahren stabil niedrige Geburtenniveau.

Die leichte Ausbuchtung am Fuß der Pyramide, bei den 0 – 10jährigen, erklärt sich aus dem sogenannten "Echoeffekt": Die geburtenstarken Jahrgänge um das Jahr 1960 sind im Verlauf der 90er Jahre in das Heiratsalter eingetreten und reproduzierten sich dann wiederum durch starke Kinderjahrgänge. Etwa ab 2005 wird aus dem gleichen Grund (aber mit anderem Vorzeichen) mit einem Rückgang der Geburtenzahlen (unter der Voraussetzung eines unveränderten generativen Verhaltens) zu rechnen sein, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge der 70er Jahre in die Familienphase hineinaltern. Nur anhaltende Wanderungsgewinne bei der jüngeren Bevölkerung (unter 30 Jahren) könnten diesem Trend entgegenwirken. An der aktuellen Münchner Alterspyramide lässt sich diese hypothetische Annahme allerdings noch nicht ablesen.

In Bezug auf die Geschlechterproportion fällt auf, dass die Altersgliederung nach Geschlecht bei den älteren und ältesten Altersgruppen nicht symmetrisch ist, bedingt durch die höhere Lebenserwartung von Frauen als auch durch die höheren Verluste unter der männlichen Bevölkerung während des 2. Weltkriegs. In diesen, höheren Altersgruppen wird allerdings ein neuer Trend in der Geschlechterproportion erkennbar: Es rücken Geburtsjahrgänge der Männer – etwa ab dem Jahrgang 1930, der zu Kriegsende 15 Jahre alt war – in das Seniorenalter auf, die nicht mehr überproportional von Verlusten aus dem 2. Weltkrieg gekennzeichnet sind. Im Vergleich zu den Deutschen, ist der Altersaufbau der ausländischen Bevölkerung atypisch. Zunächst fällt der geringe Anteil alter Menschen auf und die Stärke der Jahrgänge der 20- bis 35jährigen. Diese starken Jahrgänge im Heiratsalter bewirken wiederum stärkere Kinderjahrgänge. Unter den Ausländerinnen und Ausländern im erwerbstätigen Alter ist das Geschlechterverhältnis zugunsten der Männer unausgeglichen. Mit zunehmenden Alter werden die Jahrgänge zahlenmäßig kleiner, zum einen, weil die Anwerbung erst in den 60er Jahren verstärkt begann, zum anderen durch Sterblichkeit bedingt, aber auch durch Rückwanderungen in das Herkunftsland. Diese Charakteristika einer Migrantenpopulation werden künftig an Bedeutung verlieren. Das Geschlechterverhältnis wird sich der Geschlechterproportion der deutschen Bevölkerung annähern.

 

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